Studie zum Projektmanagement

Prof. R. Erne hat letzte Woche Kontakt mit mir aufgenommen und mit mir über seine Studie zum Projektmanagement diskutiert.

Gerne tue ich ihm den Gefallen und mache auf seine Studie (siehe unten) aufmerksam, zumal ich es immer wieder bedauere, wie sehr anscheinend hoch bezahlte Manager in unseren Baukonzernen ignorieren, was sich als großer Erfolg in England schon lange durchgesetzt hat.

Ein Sprung in die Geschichte – gelungenes Projektmanagement

London Heathrow brauchte ein weiteres Terminal. Die Baumaßnahmen wurden geplant, durften aber nicht den Flugverkehr stören.

Es gab nur eine lange 2-spurige Zufahrtsstraße, auf der sämtliches Baumaterial zu transportieren war. Für diese schwierige Aufgabe brauchte man neue Konzepte und schaltete deshalb Daniel T. Jones ein, um diese Fragen aus Sicht der Lean Philosophie zu beantworten und neue Lösungsansätze im Projektmanagement zu finden.

Daniel T. Jones hat uns vom Lean Global Network dann zu einem 3-tägigen Workshop eingeladen.

Die Straße war der Engpass und damit eine zweite Bedingung, die Entlade- und Beladevorgänge der LKWs mussten in möglichst kürzester Zeit abgewickelt werden, um die Materialversorgung bei so einem großen Bauwerk zu gewährleisten.

Wir hatten also unseren Engpass und wussten, dass danach der Materialstrom fließen musste.

D.h., die Entlade- und Beladevorgänge mussten Just in Time organisiert werden, so dass diejenigen, die den LKW entladen haben, genau wussten, wohin das Material dann verbracht werden musste. Auf der anderen Seite musste das nicht mehr benötigte Material, wiederum Just in Time bereitstehen, um die leeren LKWs wieder schnellst möglich beladen zu können.

Kurz gesagt: es musste also die Baustellenlogistik über das Projektmanagement vollkommen neu überdacht und genauestens geplant werden, wie in einer komplexen Fertigung.

Diese Ideen hat Daniel T. Jones dann dem Bauträger präsentiert. Auf diesen Grundideen aufbauend, wurde das Last Planner System entwickelt und beim Terminal 5 umgesetzt. Dieser Bau, genauso wie z.B. später alle Olympiabauten in London, sind vor der Zeit und unter Budget fertig geworden. In England wird heutzutage kein öffentlicher Bau ohne dieses oder ähnliche Systeme vergeben.

Und was macht unsere Bauindustrie??? Ich erinnere nur an Stuttgart 21, die Hamburger Philharmonie oder unser Vorzeigeobjekt in Berlin…

Die Lean Philosophie, die hinter der Last Planner Idee steckt, lässt sich allerdings auch jederzeit z.B. beim Schiffsbau, Anlagenbau oder Straßenbau anwenden.

Meine Herren Vorstände: Warum machen wir das nicht?????

Vielleicht kann ja die Studie zum Projektmanagement von Prof. Erne neue Anstöße geben und den Lean Gedanken „Werte ohne Verschwendung schaffen“ auch in diesem Bereich nachhaltig implementieren.

Und hier die Informationen zur Studie:

„Lean im Projektmanagement“

Das Thema „Lean“ hat, ausgehend vom ‚Toyota Production System‘, in den letzten Jahrzehnten Eingang in zahlreiche Branchen und Funktionsbereiche gefunden.

Im Organisationsbereich „Projektmanagement“ wurde dieses Thema bislang nur in Ansätzen (d.h. bezogen auf bestimmte Methoden oder bestimmte Branchen) diskutiert.

Um diese Lücke zu schließen, hat sich das „LeanPM-Netzwerk, ein Zusammenschluss von Hochschulprofessoren und Beratungsunternehmen, entschlossen, das Thema erstens konzeptionell aufzubereiten, zweitens empirisch zu fundieren und drittens praktisch anzuwenden.

Der erste Schritt ist inzwischen in Form von zwei Monographien zum Thema durch die Professoren Rainer Erne (2019) und Claus Hüsselmann (2021) abgeschlossen. Der zweite Schritt wird aktuell durch eine Studie zum Thema durchgeführt. Auf Basis empirischer Erkenntnisse werden dabei typische Verschwendungsarten in Projekten klassifiziert bewertet. Bewertungskriterien sind die Häufigkeit des jeweiligen Auftretens sowie der Einfluss auf die eigene Tätigkeit. Auf Basis dieser methodischen Grundlage ermittelt die Studie den Project Management Waste Index (PMWI), mithilfe dessen die Verschwendung in unterschiedlichen Branchen und Projektarten qualitativ und quantitativ greifbar und vergleichbar werden kann. Dadurch soll es auch möglich werden, Projekte branchenübergreifend zu vergleichen und „Best Practices“ (z.B. das ‚Last Planner System‘ aus der Baubranche) wechselseitig zu transferieren. Die Studie läuft bis zum 31. Mai 2021.

Den Teilnehmern der Studie wird unmittelbar nach Beantwortung der Fragen eine grobe Orientierung zu ihrer Projektsituation und zu Verbesserungspotenzialen angezeigt. Die Beantwortung aller Fragen dauert 10-15 Minuten.

Zur Teilnahme an der Studie geht es hier: www.leanpm.net

Bleiben Sie uns gewogen – bleiben Sie lean!

Ihr Dr. Bodo Wiegand

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