Der Bestände-Wahnsinn

Wenn ich diese Tage in Unternehmen gehe, sehe ich immer wieder ein Meer der Bestände.

Banken schließen Kreditverträge ab und messen den Erfolg eines Unternehmens, den EBITDA. In dieser Kennzahl spielen Bestände keine Rolle.

Ein Controller sagt mir: „Herr Wiegand, Bestände kosten doch nichts“

und der absolute Höhepunkt ist die Aussage eines Unternehmers: „Bevor ich auf der Bank Negativzinsen zahle, investiere ich lieber in Bestände“.

Frei nach dem Yuppi-Spruch Was lacostet die Welt – Geld spielt keine Rolex.

  • Dass Bestände Geld kosten, das viel nutzbarer angelegt werden könnte,
  • dass Bestände Probleme in der Produktion zukleistern und überdecken,
  • dass Bestände Lager- und Gebäudekosten bedingen,
  • dass Bestände Verwaltungs- und Transportkosten verursachen,

spielt keine Rolle und wird geflissentlich übersehen.

  • Dass man mit dem Geld für Bestände auch Menschen qualifizieren und dann zu Lean Assistants oder Lean Experten ausbilden könnte, die dann im kontinuierlichen Verbesserungsprozess 3 bis 5% Produktivitätsverbesserung pro Jahr abliefern würden,
  • dass man mit dem Geld für Bestände Prozesse optimieren und eine Lean-Organisation etablieren könnte,
  • dass man mit dem Geld für Bestände das Unternehmen von der Funktionsorientierung in die Prozessorientierung entwickeln könnte und damit dem Unternehmen 15 – 20% Kostenentlastung bringen könnte und damit zukunftssicher machen könnte,
  • dass man mit dem Geld für die Bestände nach der Prozessorientierung das Unternehmen auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vorbereiten könnte,

zählt nicht.

  • Dass eine Produktion mit einem Minimum an Beständen besser funktioniert,
  • dass Bestände pure Verschwendung sind,
  • dass mehr Bestände mehr Komplexität beschert,
  • dass mehr Bestände den Mitarbeitern suggeriert, Kosten spielen keine Rolle,

das alles wird nicht gewusst, wird nicht gesehen und nicht geglaubt.

Der Fehler beginnt schon bei unserem total veralteten Kostenrechnungssystem,

welches Verschwendung fördert und nicht zur Aufdeckung von Verschwendung beiträgt. Es suggeriert zum Beispiel, dass

  • erhöhte Stückzahlen per se eine positive Wirkung haben,
  • große Losgrößen vorteilhaft sind und
  • die Anhäufung von Beständen und Überkapazitäten nicht schlecht sind, da das System sie nicht aufdeckt.

So hat sich also in den Köpfen unserer Wirtschaftseliten eingeprägt: „Bestände sind nicht schlecht.“

Nein!!!

Bestände sind schlecht, vergleichbar mit Zucker – ein bisschen braucht man, damit es schmeckt – zu viel schadet der Gesundheit

Bleiben Sie uns gewogen – bleiben Sie Lean.

Ihr Bodo Wiegand

Beitragsbild: Romlogistics, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

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1 Gedanke zu “Der Bestände-Wahnsinn

  1. Ja, da könnte man wahnsinnig werden. Erschwerend kommt, neben den hier genannten Faktoren, meist noch der Einsatz von Push-Systemen hinzu, die den Aufbau von Beständen begünstigen und tolerieren.
    Dem veralteten Kostenrechnungssystem möchte ich noch die veraltete Fokussierung auf Produktivitäten (von Mitarbeitern und Anlagen) hinzufügen, die suggeriert, dass das Produzieren von Wartezeiten (= Beständen) tatsächliche eine wertschöpfende Tätigkeit wäre.

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