Business on Demand

Komplexität? Wettbewerbsfaktoren!

Bei meinen Besuchen in unterschiedlichen Fertigungen fällt immer häufiger der Begriff Komplexität. Die Komplexität würde steigen, die Variantenvielfalt sich erhöhen und es gäbe kaum noch Produkte mit hohen Stückzahlen.

Nun, ich möchte jetzt wirklich hier nicht als Besserwisser erscheinen, aber darauf hinweisen, dass ich in meinem Buch Business on Demand (erschienen bei Econ im Jahre 2000 darauf hingewiesen habe, dass es in der Zukunft 4 Wettbewerbsfaktoren geben wird.

  • Verfügbarkeit
  • Individualität
  • Qualität und
  • Kosten

Der mündige Kunde in der heutigen Zeit möchte sein auf ihn zugeschnittenes Produkt möglichst sofort, in höchster Qualität und bei angemessenen Kosten haben. Die Frage, wie man diese 4 Wettbewerbsfaktoren gleichzeitig optimieren kann, wird mir nie gestellt, sondern darüber lamentiert, dass alles so schrecklich ist und der Kunde immer anspruchsvoller wird, weil er individualisiert auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Produkte möchte. Das Problem ist für viele – ach so tolle – Manager ganz einfach: „Das muss die Fertigung leisten können. Da sollen die mal sehen, wie sie damit fertig werden.“

Nun, meine tollen Manager, Vorstände oder Eigentümer, dies ist keineswegs ein Problem der Fertigung. Es ist ein Problem der gesamten Organisation.

Business on Demand ist strategische Unternehmensaufgabe

Wenn ich die steigende Individualisierung der Produkte alleine die Produktion ausbaden lasse, wird die Verfügbarkeit sinken und werden die Kosten steigen. Denn durch den Anstieg der Komplexität wird sich der Steuerungsaufwand erhöhen, die Rüstzeiten sich verlängern und die interne Logistik komplizierter.

Die 4 Wettbewerbsfaktoren des Business on Demand gleichzeitig zu optimieren, ist mit der Lean Management-Philosophie jederzeit möglich. Doch es ist eine strategische Aufgabe, die das ganze Unternehmen fordert und nicht nur die Fertigung. Im Gegenteil, nach der Lean Management-Philosophie muss das ganze Unternehmen darauf ausgerichtet sein, das Wertschöpfungssystem in jeglicher Beziehung zu unterstützen und dies fängt bei der Konstruktion der Produkte an. Das heißt, ich muss die Varianz in den Produkten so spät wie möglich entstehen lassen und nicht, wie es häufig der Fall ist, schon früh. Dies bedarf eines Umdenkens in der Entwicklung und Konstruktion. In Zukunft geht es darum, Produkte fertigungsgerecht zu konstruieren und die Komplexität durch die Produktstruktur mittels eines gezielten Variantenmanagements zu reduzieren. Basis bildet hier die Standardisierung der Schnittstellen und Modularisieren der Produktstruktur.

Der entscheidende Unterschied

Ziel ist es, Individualität zu produzieren und nicht individuell anzufertigen.

Für die Fertigungssteuerung bedeutet es, sich von der Vorstellung zu verabschieden, jedes Produkt einzuplanen und zu steuern oder nach jedem Fertigungsschritt den Stand vermittelt zu bekommen. Stattdessen müssen Fertigungssysteme so ausgelegt sein, dass sie sich selbst steuern und nur die C-Produkte individuell gesteuert werden müssen.

Die AX-, BX- und AY-Produkte sind regelmäßig in optimierter Reihenfolge zu produzieren (made to delivery), die AZ-, BY- und eventuell CX-Produkte sollten auf Basis von selbststeuernden Min-/Max-Grenzen bestandsabhängig gefertigt werden (made to stock) und wie gesagt, nur die C-Produkte individuell gesteuert werden. Voraussetzung hierfür bilden selbststeuernde Regelkreise auf Basis von stabilen Prozessen.

Durch die Steuerungsstrategien made to delivery und made to stock wird die Verfügbarkeit der A- und B-Produkte jederzeit gewährleistet. Lediglich die C-Produkte brauchen eine gewisse Lieferzeit, die vom Produktionssystem und von der Anzahl des zu fertigenden C-Produktes abhängt.

Es gilt auf Basis einer intelligenten Produktstruktur, ein weitgehend selbststeuerndes Produktionssystem zu entwickeln, dass nur für die C-Produkte eine längere Fertigungszeit benötigt.

Schauen Sie genau hin: Manchmal ist es besser, die C-Produkte mit einem anderen Fertigungssystem zu produzieren als die A- und B-Produkte.

Ein oft vorgebrachtes Argument ist auch: Wir haben nur C-Produkte.

Dort lohnt es sich dann ein Mal tiefer hineinzuschauen. Denn gerade in diesen Fällen ist es unerlässlich, die Produktstrukturen auf Basis der Standardisierung von Schnittstellen modular aufzubauen und auf Basis von Baukasten- und Paketprinzipien variantenminimierend zu gestalten. Hier fängt die Produktintelligenz in der Entwicklung an und nicht in der Fertigung. Die dazugehörigen Fertigungssysteme müssen hochflexibel ausgelegt und können trotz großer Variantenvielfalt extrem produktiv gestaltet werden.

Wettbewerbsfähigkeit und die Kundenzufriedenheit

Keiner hat gesagt, dass es leicht ist. Doch es gibt für jedes Problem die richtige Lösung. Nur aus der ganzheitlichen Sicht des gesamten Systems, welches die Kundenwünsche und Kundenanforderungen zu erfüllen hat, kann man der steigenden Komplexität Herr werden.

Dies wiederum bedeutet, die 4 Wettbewerbsfaktoren der heutigen Zeit

  • Verfügbarkeit
  • Individualität
  • Qualität und
  • Kosten

immer im Auge zu behalten und das ganze Unternehmen darauf auszurichten, diese vier Wettbewerbsfaktoren des Business on Demand gleichzeitig zu optimieren.

Damit steigert man die Wettbewerbsfähigkeit und die Kundenzufriedenheit und damit den Erfolg.

Bleiben Sie uns gewogen – bleiben Sie Lean.

Ihr Bodo Wiegand

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