Fachkräftemangel

Am Donnerstag, den 29.11.2012 wurde ein Bereicht im ZDF heute Journal gesendet, der zum Inhalt hatte: Es gibt keinen Fachkräftemangel in Deutschland.

Ich würde sagen ja und nein.

Ich hatte vor 4 Jahren selbst Focus geschrieben, dass wir heute keinen Fachkräftemangel in Deutschland haben. Das stimmt und dabei bleibe ich. Dabei liegt die Betonung auf heute.

Meine Argumentation damals wie heute: Unsere Führungskräfte arbeiten nicht effizient und effektiv genug. Wenn Ärzte nur 35 % ihrer Zeit wirklich am Patienten arbeiten und Ingenieure nur 50 % ihrer Zeit wirklich Ingenieurtätigkeiten erledigen, wenn Meister mehr in Ihrer Bude hocken als in der Fertigung sind, setzen wir unsere Fachkräfte nicht richtig ein und bürden Ihnen Aufgaben auf, die in Zeiten von Mangel nicht adäquat sind. In Zeiten von Überfluss an Ingenieuren und Ärzten konnte man diesen ruhig Aufgaben wie Sekretariats- und Reisebürotätigkeiten vergeben oder mit ihm stundenlange Besprechungen abhalten.

Werden die Fachkräfte aber Mangelware, also quasi zum Engpass, gelten auch für diese die Engpassregeln. Entlasten Sie sie von Ballast wie Sekretariats- und Reisebürotätigkeiten, Telefonaten, E-Mails und überflüssigen Besprechungen und geben Sie Ihnen nur Tätigkeiten, die Ihrer Ausbildung adäquat sind. Das heißt, nutzen wir deren Produktivkraft voll aus, haben wir unglaubliche Ressourcen und keinen Führungskräftemangel mehr – und nebenbei – auch noch hoch motivierte Ingenieure, Ärzte, Meister, etc.

Dies haben viele Unternehmen mittlerweile erkannt und praktizieren Lean Administration in ihrem Unternehmen. Vorne dran wieder die großen Automobilzulieferer aber auch Versicherungen, Banken, Facility Management-Unternehmen oder Firmen im Bereich der pharmazeutischen Industrie. Es sind die Marktführer – die Marktführer bleiben wollen.

Doch es kommt etwas auf uns zugerollt, bei dem wir nicht wegschauen dürfen und bei dem nur ein proaktives Handeln eine größere Katastrophe verhindern kann. Die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge gehen bald in Rente und dahinter klafft ein riesiges Loch mit der Bezeichnung: Extremer Führungskräftemangel. Diesem müssen wir vorbeugen, in dem wir uns heute für morgen organisieren. Das heißt, wir müssen unsere administrativen Aufgaben besser organisieren und nicht von Fachkräften erledigen lassen. Wir müssen gemeinsam die Fachkräfte von allem entlasten, was nicht ihre orginäre Aufgaben sind. Wir müssen unsere E-Mail und Besprechungsverhalten ändern, und wir müssen unsere Produktivkräfte effizienter und effektiver einsetzen.

Heute für morgen.

Vielleicht haben wir dann eine Chance – vielleicht .

Bleiben Sie uns gewogen – bleiben Sie Lean.

Ihr Bodo Wiegand

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